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Carsten Wannhoff & Guido Hinzmann

Konzert-Kritik Depeche Mode, 05.07.2013, Esprit-Arena, Düsseldorf

Konzert-Kritik Depeche Mode, 05.07.2013, Esprit-Arena, Düsseldorf 5.00/5 (100.00%) 1 vote


Alle Jahre wieder kommen Depeche Mode nach Deutschland, um sich in dem Land huldigen zu lassen, in welchem sie die größten Erfolge gefeiert haben. In keinem Land der Welt sind Depeche Mode so beliebt wie bei uns.

Nach mehrjähriger Depeche-Mode-Konzert-Abstinenz habe ich mich in diesem Jahr dazu überreden lassen, mal wieder ein Konzert zu besuchen. Ich denke noch mit Erschrecken an das letzte Konzert von Depeche Mode, das ich besucht hatte: Auch in Düsseldorf, ein Sitzplatz fernab von allem, schlechter Sound, schlechte Sicht und eine halbe Stunde vor dem Ende nach Hause gefahren. Das sollte diesmal nicht passieren. Daher haben wir uns Stehplatzkarten “Front of stage” gegönnt.

Aufgrund persönlicher Umstände waren wir relativ spät unterwegs. Und das mit der Bahn von Köln nach Düsseldorf. Luftlinie vielleicht 40 Kilometer, aber gerade der Weg vom Düsseldorfer Hauptbahnhof bis zur Esprit-Arena zog sich doch gewaltig. Nichts desto trotz kamen wir um kurz nach 20:00 Uhr in die Halle und konnten noch den letzten beiden Songs der Vorgruppe “Matthew Dear” lauschen. Elektronisch und mir bisher nicht bekannt, aber durchaus mit Potential. Das Konzert scheint nicht ganz ausverkauft gewesen zu sein, dann vor der Halle bekamen wir noch Eintrittskarten für weniger als 40,- EUR angeboten (Originalpreis um die 80,- EUR) – da war wohl jemand verzweifelt.

Danach war erst mal Warten angesagt und wir wollten uns mit einem Getränk versorgen. Dies gestaltete sich schwieriger als erwartet, denn die Zapfanlage war wohl defekt – das war zumindest die Ausrede des arbeitsscheuen Bewirtungspersonals. Naja, als Kölner hat man schon das ein oder andere Vorurteil bezüglich Düsseldorfern. Ansonsten konnten wir uns zumindest über unseren Platz nicht beschweren: Direkt mittig vor dem Mischpult, zwar noch immer weit von der Bühne weg, aber besser als mit normalen Innenraum-Karten. Und vor allem hatten wir genug Platz zum Atmen, Bewegen und Klatschen, was wohl in den hinteren Bereichen nicht der Fall gewesen sein soll.

Um 20:45 Uhr betraten die drei Herren von Depeche Mode, sowie zwei zusätzliche Musiker an Keyboard und Schlagzeug, unter frenetischem Jubel der Menge die Bühne. Das Set begann mit dem Titel “Welcome to the world” vom aktuellen Album “Delta machine”. Im Laufe des Abends sollten wir noch einige Stücke von diesem Album zu hören bekommen. Die Soundqualität war auf unserer Position durchaus gut, hier hatten wir wohl bei der Auswahl der Konzertkarten die richtig Wahl getroffen, dann andere Besucher waren vom Sound nicht so begeistert. Aber bleiben wir beim Thema: Eine sichtbar gut gelaunte Gruppe spielte sich durch eine prall gefüllte Schatzkiste der Hits aus über 30 Jahren. Naja, also die 80er-Jahre waren etwas unterrepräsentiert, aber es war ja auch kein Best-of-Konzert. Die Songauswahl bestand aus 8 Songs aus dem aktuellen Album – ärgerlicherweise war mein Lieblingssong von dieser Platte (Secret to the end) nicht dabei. Da ich diese Platte durchaus gelungen finde, fand ich auch die Live-Interpretation dieser Songs sehr gut. Personen, die mit dem aktuellen Werk von Depeche Mode nichts anfangen können, müssen zwangsläufig enttäuscht sein. Die weiteren Songs rekrutierten sich aus den Platten “Speak & Spell” (1), “Music for the masses” (2), “Violator” (4), “Songs of faith and devotion” (3), “Ultra” (1), “Playing the angel” (2) und der Single “Only when I lose myself”. Von den aktuelleren Alben fehlten “Exciter” und “Sounds of the universe” komplett – was mich nicht weiter gestört hat, gehören doch diese Alben eher zu den schlechteren. Wie in den letzten Jahren üblich wurden aus den 80ern relativ wenig Songs gespielt – schade eigentlich, aber irgendwo muss man Abstriche machen. Das Hauptset endete mit dem Song “Goodbye”, ebenfalls vom aktuellen Longplayer.
In der Zugabe verzichtete man dann mit den Songs “Somebody”, “Halo”, “Just can’t get enough”, “I feel you” und “Never let me down again” auf aktuelle Songs, sondern kramte die ganz großen Live-Hits raus. Nach 2 Stunden und 15 Minuten verließ die Band dann endgültig die Bühne.

Wir waren mit unserem Platz in der Esprit-Arena zufrieden, hatten einen guten Sound, eine gute Songauswahl und eine gut gelaunte Band. Der Besuch des Konzerts hat sich definitiv gelohnt.

Interessant ist auch ein Vergleich zu den anderen Konzerten dieser Tour: Auf unserem Konzert spielten Depeche Mode nämlich im Mittelteil des Sets einige Songs, die sie woanders nicht gespielt haben. Hervorzuheben ist “Somebody” welches von Martin gesungen wurde und das zum ersten mal auf dieser Tour!

Der Heimweg stellte sich als etwas schwieriger dar. Erst leiteten uns die Ordner so, dass wir die Esprit-Arena einmal komplett umrunden mussten, um die Bahnstation zu finden, dann knubbelten sich tausende von Menschen an der Bahnstation und am Taxi-Stand – da hatte man eigentlich keine Lust sich überhaupt anzustellen. Irgendwann sind wir dann in eine Bahn reingekommen und haben den Heimweg angetreten.

Von anderen Konzertbesuchern habe ich folgende Kritiken gehört:
- Der Dave ist ziemlich schlapp und tanzt viel weniger als früher -> Naja, der Mann ist 51 Jahre alt. Und wenn man dann noch seinen früheren Lebenswandel betrachtet, finde ich ihn dafür noch ziemlich fit und agil.
- Der Sound war mies und es war zu eng -> Wie gesagt – nicht im Bereich “Front of stage” – hier war alles bestens.
- Die neuen Lieder sind alle so lahm -> Aha? Kann ich nicht nachvollziehen. Depeche Mode hat sich bis auf einige Ausnahmen doch immer im Bereich Mid-Tempo bewegt und das neue Album finde ich nicht lahmer als z.B. die Violator.
- Als Alan Wilder noch dabei war, war das Drum-Programming viel besser -> Jein. Bei der “Exciter” oder “Sounds of the universe” trifft das meines Erachtens zu. Auf der aktuellen Platte fehlt mir Alan nicht.

Also, ganz klare Empfehlung: Beim nächsten Konzert hingehen (wenn einem die Karten nicht zu teuer sind)!

1 Kommentar »

  1. Feine Kritik, Herr Lurch! :-)
    Und juchhu! Wir haben jetzt einen Newsletter, der auf solche Cremeschnittchen hinweist!

    Kommentar von Ramon — 18. Juli 2013 @ 22:26

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