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Carsten Wannhoff & Guido Hinzmann

Konzertkritik Nick Cave & the Bad Seeds, 12.11.2013, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Konzertkritik Nick Cave & the Bad Seeds, 12.11.2013, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf 4.50/5 (90.00%) 2 votes

Nick CaveNick Cave. Wer kennt ihn nicht den lustigen, bunten Rapper? OK, war nur ein Scherz. Nick Cave ist düster, seine Welt ebenfalls und rappen tut er garantiert nicht.

Am 12. November diesen Jahres hatten wir die Chance diesen dunklen Meister wiedermal live zu sehen und das haben wir auch getan.

Wir waren sehr früh unterwegs und etwas geschockt als wir die Mitsubishi Electric Halle betraten, denn diese war nur mit einigen wenigen Menschen gefüllt. Sozusagen für jeden Gast ein persönlicher Bratwurst-Verkäufer. An diesem Abend hatten wir freie Sitz- und Platzwahl – also Tribüne oder Stehplatz. Ein Teil der Halle war abgehängt – man rechnete wohl nicht mit vielen Gästen. Nach und nach trudelten doch mehr Besucher ein und ein Stein fiel uns vom Herzen. Nick Cave vor 50 Personen – das konnten wir uns nun wirklich nicht vorstellen.

Bereits um 19:50 Uhr startete die Vorgruppe. „Gruppe“ ist bei einer Frau, die ein von mir noch nie gesichtetes Instrument spielte (ein auf einen Tisch montiertes Akkordeon?) etwas übertrieben. Diese sang und quietschte sich enthusiastisch durch ihre Songs. Da sie vor 20:00 Uhr angefangen hatte, spielte sie auch noch ein, zwei Lieder mehr. Kurzum: Ich empfand die Instrumentierung als zu monoton und einschläfernd.

Um 21:00 Uhr betraten dann Nick Cave und die Bad Seeds die Bühne. Mittlerweile waren ca. 5000 Konzertbesucher anwesend.
Nick sieht ja bekanntlich aus wie eh und je: Groß und schlaksig, mit nach hinten gekämmten, langen schwarzen Haaren und immer im schwarzen Anzug. Seine Bandmitglieder haben sich in den letzten Jahren zu haarigen, bärtigen Derwischen entwickelt, was der Qualität ihrer musikalischen Darbietung aber keinen Abbruch tat.

Das Konzert wurde von dem Song „We No Who U R“ vom aktuellen Album eröffnet. Alles im grünen Bereich. Bereits der zweite Song „Jubilee Street“ zeigte wohin der Abend führen sollte – Nick und seine Mitstreiter steigerten die Geschwindigkeit des Songs von Minute zu Minute und ließen diesen in einem brachialen Noise-Gewitter enden – endgeil! Dies zog sich durch den ganzen Abend – gesanglich gab Nick Cave alles und seine Band trug ihr übriges dazu bei, dass die Stücke sich teils sehr von den Studio-Versionen unterschieden. Es wurden viele Stücke des aktuellen und übrigens sehr gelungenen Albums „Push the sky away“ dargeboten. Aber auch viele Hits und Schätzchen aus 30 Jahren Bandgeschichte wurden ausgegraben: Tupelo, From her to eternity, Into my arms, Mercy Seat… Die Setlist beinhaltete auch einige nicht so bekannte Stücke wie „Watching Alice“.

Bemerkenswert und für mich etwas überraschend war die Publikumsnähe von Nick Cave. Dieser hing an der ersten Reihe und ließ sich von den Besuchern berühren und stützen. Ebenfalls ging er auf viele Zwischenrufe und Musikwünsche des Publikums ein. Also ein Star zum anfassen.

Nach einer Stunde und fünfzig Minuten Vollgas und nur drei Songs in der Zugabe gab Nick einem Toningenieur ein Zeichen, dass seine Stimmt nicht mehr mitspielt – für mich, nach der an diesem Abend gebrachten Leistung, keine Überraschung. So fiel das Konzert zwei Stücke kürzer aus als bei anderen Konzerten dieser Tour.

Wir verließen nach einem vollkommen gelungenen Abend euphorisiert den Saal und traten den Heimweg an. Schade, dass so wenig Menschen diesen begnadeten Künstler sehen wollten. Leute, ihr wisst gar nicht was ihr verpasst habt!

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