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Carsten Wannhoff & Guido Hinzmann

Konzertkritik Peter Gabriel – Back to Front – Düsseldorf ISS Dome 16.10.2013

Konzertkritik Peter Gabriel – Back to Front – Düsseldorf ISS Dome 16.10.2013 5.00/5 (100.00%) 1 vote

Peter Gabriel live
Wenn die großen Alt-Stars der Rock- und Popmusik ankündigen, dass sie ihr früheres Erfolgsalbum noch einmal in kompletter Länge spielen werden, macht sich unter den Fans regelmäßig Verzückung breit.
Bekannte Beispiele der vergangenen 10 Jahre waren Pink Floyd (Dark Side of the Moon-Tour), Metallica (Master of Puppets bei Rock am Ring), OMD (Architecture and Morality) oder jüngst Roger Waters (The Wall).
So war der ISS Dome denn auch ausverkauft, als Peter Gabriel zur Back to Front-Tour rief um unter anderem das Album “SO” vollständig darzubieten.

Vollmundig verspricht der Meister dann auch zum Konzertauftakt – im Anschluss an die sphärischen Gesangsdarbietungen seiner abenderöffnenden Background-Sängerinnen – vollmundig ein wohlschmeckendes Drei-Gänge-Menü, bestehend aus einer Akustiksession als Entreé, einem schnelleren Teil als Hauptgang und dem Album “SO” in voller Länge quasi als Dessert.
Nun denn, der Meister nimmt am Piano Platz und wird zunächst nur von seinem ewigen Wegbegleiter Tony Levin begleitet.

Im Rahmen der 4 akustischen Songs bleibt das sterile Hallenlicht an. Keine Lightshow, kein Firlefanz, pure Musik.
Trotzdem hier großartige Titel wie “Come talk to me” oder “Shock the Monkey” gespielt wurden, kommt der Abend nicht recht in Fahrt.
Das Lichtexperiment in Verbindung mit den ruhigen Klängen wirkt tatsächlich auf das augenscheinlich am Oktober-Mittwochabend ohnehin müde Publikum eher wie eine Spaßbremse.
Als dann abrupt mitten im Song das Licht erlischt und die Lightshow beginnt, beginnt der “Hauptgang” und das Publikum ist erleichtert.

Sechs Songs umfasst das elektrische Menü, Digging in the dirt, Secret world, No self control. Aber erst bei Solsbury Hill kommt im Publikum etwas Stimmung auf. Die Bühneshow besteht im wesentlichen aus 5 beweglichen Licht- und Kameramasten, die recht frei über die Bühne bewegt werden können und vor allem die Videoleinwände mit Bildmaterial versorgen. Wer sich aber nicht laufend auf die Leinwände konzentrieren mag, sondern dem Geschehen auf der Bühne folgen wollte, dem waren die Masten leider regelmäßig im Blickfeld.
Eine darüber hinaus gehende Show gibt es denn auch kaum. Wer sich einmal das Bildmaterial der Growing Up-Tour angesehen hat, der musste zwangsläufig von der Bühnengröße und der Darbietung etwas enttäuscht sein.
Das Augenmerk liegt an diesem Abend pur auf der Musik, auch das anschließende “Dessert” kommt hier ohne große Showeinlagen aus.
Die Überhits des 1987er-Albums folgen dann auch Schlag auf Schlag. Red Rain, Sledgehammer und Don´t give up werden gleich hintereinander gestellt.

Leider kommt auch jetzt nur bedingt Stimmung auf, der Funke mag nicht überspringen. Beim Song Big Time gar hatte ich den Eindruck, dass weder Band noch Publikum eigentlich Lust auf den Song hatten.
Auch beim abschließenden (großartigen) In your eyes waren die Leute nicht dazu zu bewegen, ihre Sitzplätze zu verlassen.

Abgerundet wurde das Programm mit zwei Zugaben, natürlich mit dem Schluss-song Biko.

Wie war es nun, das Gabriel-Konzert?
Geht so, würde ich sagen. Ich hatte mir mehr versprochen, insbesondere an Showeffekten, mit denen Peter Gabriel zuletzt nicht gegeizt hatte.
Dass die einzelnen Musiker um jeden Zweifel ihres Könnens erhaben sind, ist klar. Alle auf der Bühne gelten als internationale Top-Musiker.
Mir war das ganze einen Tick zu leise, vielleicht trägt ja auch das zum Gesamteindruck bei.

Unglücklich war es sicher, nach den ruhigen Nummern der beiden Sängerinnen das Set gleich mit der Akustik-Show bei vollem Hallenlicht zu beginnen.
Aus dieser Lethargie wieder aufzuwachen hat das düsseldorfer Publikum leider nicht geschafft.
Am treffendsten brachte es ein Herr hinter mir zu Ausdruck: “Maach dat Leech uss, Du Aaasch!”
Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen.

2 Kommentare »

  1. Das möchte ich doch gerne ergänzen…

    Meinem Vorschreiber kann ich in ganz vielen Punkten zustimmen, aber ein, zwei Sachen habe ich anders empfunden.

    Der Akustikpart war deplatziert. Die Interpretation der Songs war gut, aber eher für eine rauchige Bar geeignet. Das angeschaltete Saallicht war wirklich ein Stimmungstöter.

    Das Publikum (zumindest auf den Rängen) war wirklich kaum zu begeistern, obwohl die musikalische Darbietung sehr gut war. Mehr Show habe ich nicht erwartet – schade nur, dass die “360°”-Bühne der letzten Tour nicht weiter genutzt wurde, so dass jeder alles sehen konnte.

    Das So-Album ist von 1986 ;-) Die Songs des Albums sind meines Erachtens in der Reihenfolge des Albums gespielt worden. Auch für mich war “Big Time” das Low-Light des Konzerts – kommt live einfach nicht rüber der Song!

    Die Live-Mitschnitte, welche man zu jedem Konzert von Peter Gabriel erwerben kann, werden zeigen, ob mir das Konzert dann immer noch so gut gefällt, wie das heute der Fall ist.

    Mein Fazit: Nächstes mal wieder Stehplatz, da die Stimmung auf den Rängen einfach schlecht war. Und auch blöd, wenn man seine eigene Stimme beim Mitsingen laut und deutlich hört, weil kein Mensch mitsingt.

    Peter Gabriel bleibt mein Held, auch wenn andere Konzerte von ihm besser waren!

    Kommentar von Lurch — 17. Oktober 2013 @ 14:14

  2. Das mit der eigenen Stimme hab ich genauso empfunden. :-)
    Wegen der Trackreihenfolge hast Du Recht, ich bin ein Wurm!

    Kommentar von Ramon — 17. Oktober 2013 @ 15:19

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