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Carsten Wannhoff & Guido Hinzmann

Roger Waters – The Wall – Live in Düsseldorf 06.09.2013 eine Konzertkritik

Roger Waters – The Wall – Live in Düsseldorf 06.09.2013 eine Konzertkritik 5.00/5 (100.00%) 1 vote

Waters
Endlich war der große Moment gekommen. In Düsseldorf kommt Roger Waters zum “Rückspiel”, nachdem The Wall dort bereits 2011 Station gemacht hatte.
Um es vorweg zu nehmen: Die Show ist im wesentlichen die gleiche geblieben, abgesehen von den Geburtstagsgesängen der Fans, denn der gute Roger wird an eben diesem Tag stolze 70 Jahre alt.
Als sich für mich als altem Pink Floyd-Fan 2011 ein ewiger Traum erfüllte und ich tatsächlich doch noch in den Genuss der Wall-Show kommen sollte, habe ich gegenüber der gigantischen Bühne im Oberrang gesessen.
Der Blick von schräg oben über diese gewaltige Mauer hinweg war bereits sehr beeindruckend und gewaltig, der Sound absolut perfekt, wie es für einen solch denkwürdigen Abend angemessen ist und das ganze einfach ein Ereignis, dem man in Ehrfurcht gegenüber stand (bzw. saß).

Heute, im Jahr 2013, ist die Bühne von der Längsseite der Esprit-Arena auf die kurze Seite umgezogen und entsprechend ein gutes Stück kleiner.
Dafür sind diesmal bewusst ganz andere Plätze gebucht worden. Dass es freilich wirklich ganz vorne in Reihe 10, direkt vor der gigantischen Mauer sein würde, war mir im Vorfeld dann aber doch nicht klar.
Die ersten Klänge des “Spartacus”-Intros ertönen mit einer Verspätung von guten 20 Minuten.
Schon beim einführenden “In the Flesh?” wird uns klar, dass das Erlebnis dieser Show ein ganz anderes sein wird als vor 2 Jahren.
Man bekommt tatsächlich den Eindruck, selber direkt vor der Mauer zu sitzen, quasi Seite an Seite mit dem Protagonisten “Pink”. Eine Salve von Gewehrschüssen rast scheinbar nicht endend über die Bühne hin und her.
Das Klanggewitter und die ausdrucksstarken Videosequenzen nehmen den Zuschauer total gefangen. Umso intensiver, je mehr man sich mit der Thematik und Intention des Jahrhundertwerks auseinander gesetzt hat.

Von hier vorne ist denn auch die grandiose Technik zu erkennen, die hinter den Videoprojektionen auf der Mauer steckt. Jeder einzelne Block kann individuell beleuchtet werden und der Blick zurück zur Technik offenbart eine wahre Batterie an Lichtkegeln.

Roger versteht es auch heute, das Publikum mitzunehmen auf seine Reise in das Innere seiner an sich selbst angelehnten Hauptfigur. Dabei kommen Gesellschafts- und Staatskritiken nicht zu kurz. Provokativ werden Firmen-, Staats- und Religionssymboliken öffentlich angeprangert als “die Bösen”. Das war schon immer so in der Wall-Show und ist heute so aktuell wie schon immer in all den Jahren.
Die Aussagen der Show sind unbequem und regen zum Nachdenken an. Mit der pseudo-faschistischen Inszenierung zum Ende des Werks in all seiner notwendigen visuellen Härte trifft er gerade die deutschen Zuschauer besonders.

Die Aufregung vor und nach dem Konzert über das durch die Halle schwebende Schwein, auf dem unter anderem auch der Davidsstern abgebildet ist, konnte ich nicht recht nachvollziehen, war der Stern doch nur ein Symbol unter vielen und Rogers Ansichten zum Weltgeschehen sollten hinlänglich bekannt sein.
Vielleicht versöhnte es die jüdische Gemeinde, dass das Schwein zu Rogers Geburtstag im Unterrang “geschlachtet” wurde.
Auch eine Art, aus dem ganzen die Luft raus zu lassen.

Die Wall-Show in Düsseldorf hat alles gehalten, was sie versprochen hat. Eine perfekte Inszenierung von Licht, Ton und Bühnenspektakel. Ein echter Maßstab für kommende Shows, bei denen mit dem Attribut “Superlative” geliebäugelt wird.
Es war für mich das zweite und letzte Mal – nach dem Tourabschluss in Paris ist für Roger wirklich Feierabend.

So gesehen ist es wahrscheinlich, dass das Publikum vom Musiker Waters wohl Abschied nehmen muss. Ihm sei es vergönnt. Der geniale Musiker ist zu guter Letzt doch noch aus dem Schatten seiner ehemaligen Mitstreiter herausgetreten und hat seinem Schaffen ein ewiges Denkmal gesetzt.

Wie man hört hat die Tour über 400 Millionen Euro eingespielt. Dann kann es ja nun weitergehen mit der Vermarktung des im Earls Court reichlich aufgenommenen Filmmaterials. Der Fan freut sich schon darauf.

1 Kommentar »

  1. Sehr schöne Konzertkritik, hätte ich nicht besser machen können ;-)
    Ich selber war ja auf dem Oberrang, links von der Bühne -also ein ganz anderer Blickwinkel, aber wahrscheinlich genauso toll! Werde die Tage noch Bild- und Videomaterial hinzufügen.

    Kommentar von Lurch — 11. September 2013 @ 23:45

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